Welcome to a-ha.com Sign in| Join | Help | Home

Current News

Magne Furuholmen – ungekürzt

2001-01-02

"Im Leben als Künstler geht es darum, den Moment zum Scheinen zu bringen"

von Sabine Clement (Übersetzung Meike Beier)

"Ich hoffe, du hast alles was du wolltest", sagt Magne, als ich den Stop-Schalter meines Kassettenrecorders drücke. "Ich habe versucht, so viel wie möglich zu sagen, und habe so schnell gesprochen, wie ich konnte."
Ich schaue ihn an, ein etwas überraschtes Lächeln auf meinen Lippen. Wie kann er sich nur Sorgen machen, daß er sich zu kurz gefaßt hat?

Wir hatten uns über Live-Aufnahmen unterhalten, darüber, wie man seine Kinder beeindruckt, über Malerei, Schreiben, Musik, Design, a-ha Network und sogar über Unterwäsche. Oder besser gesagt, Magne hatte geredet, während alles, was ich tat, der gelegentliche Einwurf einer Frage war und wusch, da war er schon wieder in Fahrt.

Und so versichere ich, daß wir die meisten Fragen auf meiner Liste erledigt haben und daß seine Antworten Bereiche abgedeckt haben, die weit über diese Liste hinausgehen. Schließlich hatte ich diese Garderobe wirklich nicht mit der Absicht betreten, über seine Unterhosen zu diskutieren. Oh nein! Tatsächlich war meine erste Frage an ihn geradezu schamlos unschuldig...

Laß uns mit der brennendsten Frage überhaupt anfangen... Jetzt, nachdem a-ha wieder auf Tour sind, wie sieht es mit einem Livealbum aus?

- Naja, wenn wir gewußt hätten, daß wir nach zehn Jahren so gut klingen würden, hätten wir sicher entsprechende Pläne gemacht!", lacht Magne. "Es gibt noch keine Pläne für eine Live-Veröffentlichung, aber wir werden im nächsten Jahr eine größere Tour machen. Und dann, denke ich, sollten wir uns für eine anständige Live-Aufnahme rüsten.

- Es schwirren da eine Menge Ideen herum. Wenn wir Liveshows aufnehmen, können wir es genauso gut die ganze Tour lang machen, so daß wir viele verschiedene Konzerte aufnehmen können und dann die besten auswählen. Oder wir könnten so etwas tun wie Leute zu einer speziellen Show einzuladen, z.B. die Fans im Internet oder so, und ein oder zwei Shows in einem kleineren Format machen. Wie ein Auszug aus der normalen Tour, aber speziell auf Film- und Tonaufnahmen ausgerichtet. Denn wenn du Konzerte filmen und aufnehmen willst, wie wir sie jetzt machen, mußt du wirklich die Produktion drumherum im Griff haben. Ich denke, es ist vielleicht besser, mehrere Konzerte aufzunehmen, aber das werden wir sehen.

Was macht eine Tour interessant?

- Für mich ist diese Tour wirklich sehr viel interessanter und mit mehr Spaß verbunden gewesen als die anderen. Ich bin weniger nervös deswegen gewesen. Es ist wie... Naja, vor zehn Jahren war ich jung genug, um das zu tun, aber jetzt komme ich von einer langen Reihe von Ausstellungen, und bei den ersten paar Shows in Japan, und auch bei den ersten paar Konzerten in Deutschland, ging ich auf die Bühne und fragte mich: "Sollte ich wirklich hier sein?" Aber dann sagte ich mir: "Sei nicht so verklemmt! Du hast dich entschieden, wieder dort hoch zu gehen, also geh dort hoch und du wirst verdammt noch mal Spaß dabei haben, oder du hast hier nichts zu suchen!" Und das funktioniert sogar!

- Aber wirklich, wenn wir es alle zusammen auf der Bühne auf die Reihe kriegen, und wir eine gute Zeit zusammen da oben haben, dann ist das das Wichtigste. Schließlich sind gute Konzerte das, was eine Tour interessant macht. Gute Shows, denen Tage folgen, die etwas... anders sind. Wo du Dinge tun kannst, die mit allem zusammenhängen, aber auf eine andere Weise. Das einzige echte Problem am Touren ist, daß deine Gedanken so zielgerichtet sind, daß du nicht viel Zeit hast, andere Dinge zu erforschen, etwas zu schreiben oder andere Dinge. Ich würde gerne mehr tun.

Du hast deine Söhne mit zu den Konzerten in Japan genommen. Wie hat es ihnen gefallen?

- Mein jüngster Sohn wußte gar nicht, was a-ha war. Es gab zwar die sporadischen Zeitungsartikel, aber bevor wir wieder anfingen, gab es eigentlich keinen Fokus auf a-ha. Es gab die gelegentliche Erwähnung, wenn Leute interviewt wurden und sagten: "Oh, wir sind von a-ha beeinflußt", aber das war es dann auch.

- Und so war es schön für mich, ihm dieses "Wow, was ist das!?"-Gefühl zu geben. Sie passen sich erstaunlich schnell an eine neue Situation an. Plötzlich waren sie auf Tour und sie verhielten sich, als ob sie noch nie etwas anderes in ihrem Leben getan hätten, erinnert sich Magne lächelnd.

Gibt es jemanden, den du gerne mit deiner Musik beeindrucken würdest?

- Meine zwei Kinder! Ich muß sagen, da gab es diese kindische Ader in mir, zu versuchen, meinen ältesten Sohn zu beeindrucken. Er ist jetzt in einem Alter, wo er Bands mag, er hat ein Keyboard zuhause und er mag diese ganze Sache mehr und mehr und naja... Du kannst sagen, daß Papa ein Popstar ist, aber erst deinen Augen traust du so richtig, oder? Also habe ich ihn mitgenommen, und nach dem Konzert kam er herunter und sah aus wie...

Es gibt Momente, in denen Mimik mehr als Worte sagt, und dieses ist einer davon. Weil ihm die passenden Worte fehlen, versucht Magne den damaligen Ausdruck auf dem Gesicht seines Sohnes nachzuahmen. Mit seinen erstaunten Augen und einem generellen Ausdruck von völliger Überraschung und Verwirrtheit gibt er ein sehr überzeugendes Abbild von jemandem, den es völlig umgehauen hat. Ich denke, es ist nur recht und billig zu sagen, daß der Junge vom Auftritt von 'Papas Band' beeindruckt war!

- Ich habe sie auch zu dem Hamburg-Konzert mitgenommen, so daß sie die größere Produktion auch sehen konnten, fährt Magne dann fort. Und jetzt sind sie richtig blasiert über die ganze Geschichte, so nach dem Motto: "Ich mochte die Show in Sendai, und du?" Auf diesem Level bewegt es sich jetzt.

- Aber zu beeindrucken in dem Sinne, daß du einen Eindruck bei jemandem hinterlassen willst... Das ist ein starker Antrieb. Für mich geht es bei Musik, Kunst und einer Menge anderer Dinge, zu denen wir uns als Individuen hingezogen fühlen, darum, in der Lage zu sein, einen Monolog ohne Diskussion zu beenden. Es geht darum, deine Idee - oder Vision, wenn du anmaßend sein willst - bis zum Ende zu verfolgen und sie dann einfach loszulassen und zu sagen: "OK, das ist es." Und es gibt keinen Weg, gegen ein Bild oder ein Musikstück wirklich etwas einzuwenden. Du kannst dich dazu in Beziehung setzen, aber du kannst es nicht beeinflussen, es sei denn, du versuchst, darüber zu schreiben. Du kannst nicht mit einem Bild an der Wand streiten, es muß erfahren werden, und es muß die Entscheidung von jemandem sein, es da hinzuhängen.

- Wenn du dich für das Leben als Künstler entscheidest, so oder so, ist eines der wichtigsten Dinge, Momente zum Scheinen zu bringen. Ob du alleine in einer Galerie stehst oder vor zehntausend Menschen, du mußt wirklich versuchen, Momente zum Scheinen zu bringen. Das ist das zentrale Bestreben. Und ich denke, daß 'scheinen' ein besseres Wort ist als 'zählen' - allerdings ganz offensichtlich nicht im Falle des Songs - denn du mußt den Moment zu mehr machen als er ist. Es ist nicht die alte 'carpe diem'- oder 'Nutze den Tag'-Geschichte, sondern es geht darum, Momente herausstechen zu lassen. Und Momente zum Herausragen zu bringen, ihnen dabei zu helfen, herauszustechen. Auch für dich selbst, denn wenn sie für dich selbst nicht herausragen, ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß sie für andere Leute herausragend sind und einen Eindruck bei ihnen hinterlassen.

"Was denkst du könnt ihr tun, um die USA zu erobern?"

- Wenn ich das wüßte, wären wir dort schon vor langer Zeit gewesen", lächelt Magne. "Wir alle lieben Amerika, auf verschiedene Weisen und aus unterschiedlichen Gründen. Einer dieser Gründe ist die musikalische Geschichte von Amerika. Während wir aufwuchsen, kamen unsere Einflüsse aus Großbritannien und Amerika, meistens. Und ich denke, das kommt auf mindestens drei oder vier unserer Alben rüber. Und wir wollten das zurück haben. Wir fühlten einfach, daß wir unterschätzt wurden und daß wir dort drüben hätten sein sollen, und wir verstanden einfach nicht, warum wir dort nicht waren.

- Ich denke, daß wir, was Amerika betrifft, einen fatalen strategischen Fehler zu Anfang unserer Karriere gemacht haben. Dafür muß man sich nicht schämen, und darauf kann man auch nicht stolz sein, aber wir weigerten uns, Aftershow-Partys für Journalisten, DJs und Leute aus der Industrie zu geben. Und das sind die Leute, die deine Platten auflegen. Ich denke nicht, daß es das alleine ist, was unsere Karriere in Amerika zunichte gemacht hat, aber DJs haben eine Menge Macht. Und nicht nur DJs. Wenn die Plattenfirma so etwas wie eine Tour ansetzt, wollen sie die Band treffen, sie wollen dich ihren Familien vorstellen. Es ist Teil der Kultur. Aber wir sagten: "Es ist zu viel, wir können das nicht tun. Wir können Hände schütteln, und dann geht heim. Aber keine Partys, und keine Familien."

Also werdet ihr diesmal die Partys geben müssen?

- Ich weiß nicht. Um ehrlich zu sein, du tust sowieso alles, was du kannst, überall auf der Welt, und daher ist es kein großer Unterschied. Ich denke, wir hatten das Glück, beim ersten Mal in Amerika eine Chance zu bekommen. Aber dann haben wir nicht getan, was die Plattenfirma gesagt hat, was wir tun sollten: Uns auf Amerika konzentrieren und den Rest der Welt vergessen. Und das hat offenbar eine Menge damit zu tun.

Denkst du, daß es auch einen Unterschied gibt im Stil, im Klang, zwischen Europa und Amerika?

- Sicher, auf jeden Fall. Aber Klang ist eine seltsame Sache. Du machst eine Platte, die anders klingt und sie wird Nummer eins, und die Dinge verändern sich. Während der ersten paar Interviews in Amerika wurden wir als eine Alternative Band angesehen und wurden mit *** Robin und Bands aus dem Ausland, die eine Art linksgerichtete Popmusik machten, verglichen. Und dann plötzlich schaffen wir den großen Durchbruch und werden als Mainstream bezeichnet. Die gleiche Platte, vier Monate später. Andere Perspektive. Und die Perspektive ist immer interessant.

- Wir würden gerne wieder einen Hit in Amerika haben, aber es ist keine fixe Idee für mich persönlich. Nicht mehr. Ich denke, wir haben eine gute Chance, wir haben eine Single auf einem Soundtrack, wir haben eine neue Plattenfirma, die die Band und die Platte mag, und sie haben uns gesagt, daß wir ein Act mit hoher Priorität sind. Also werden wir sehen. Wir werden unseren Beitrag leisten. Ich denke nicht, daß wir uns jemals geweigert haben zu arbeiten.

Wann wird 'Minor Earth, Major Sky' in den USA veröffentlicht werden?

- Ich habe gehört, daß es im Februar herauskommen soll. Aber in diesem Business würde ich mein Geld auf gar nichts setzen.

Ist a-ha Network ein Versuch, aus dem Machtbereich der Industrie auszubrechen, mehr Kontrolle zu gewinnen?

- Naja, um es so zu sagen: Es ist etwas, das unsere Plattenfirma mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtet, so nach dem Motto: "Was zur Hölle geht da vor?" Und sie sind sich nicht ganz sicher, ob das ein gemeinsames Bestreben ist. Sie haben gesehen, wie die Napster-Situation außer Kontrolle geraten ist, und jetzt sehen sie Madonna, wie sie Millionen für ihre Streaming-Rechte bekommt, und sie machen sich Sorgen. Und daher mögen sie a-ha Network nicht. Und das ist mir verdammt egal, um ehrlich zu sein.

- Es geht ein wenig darum, die Kontrolle zurückzubekommen, deinen eigenen Kanal zu schaffen. Ich denke, es ist gut. Ich denke, daß in der Zukunft, wenn du eine effektive Website hast, wenn du die volle Bandbreite hast und digitales Fernsehen und all das, wenn du deine eigene Medienstation unter deinem eigenen Namen hast, dann wird die Plattenfirma ganz offensichtlich überflüssig. Weil sie keine Musik verkaufen. Sie denken, daß sie Musik verkaufen, aber sie verkaufen Plastik. Wir verkaufen Musik, wir produzieren Musik und die großen Verlagsgesellschaften stellen sicher, daß die Künstler ihr Geld verdienen. Daher wird das ein sehr viel wichtigerer Faktor werden: Wie stellt man sicher, daß Bands von dem leben können, was sie produzieren, auf eine logische Weise?

Sehst du das als eine neue Version des Apple Logos der Beatles?

- Als wir das anfingen, haben wir uns gefragt, was ist das? Ist es ein neues Apple oder ist es nur eine langweilige Situation des Brandmarkens, indem a-ha so etwas wie ein Björn Borg-Markenzeichen werden, das man auf die Dinge stempelt.

Wie auf Unterwäsche.

- Ja, richtig!, lacht Magne, und setzt dann ein vorgetäuscht ernstes Gesicht auf. Allerdings, ich finde, daß meine Unterwäsche ziemlich cool ist. Wir könnten sie verkaufen.

- Aber worum geht es dabei, seine eigene Website aufzubauen... Im Grunde geht es darum, Dinge zu tun, ohne daß jeder andere zustimmen muß. Ich denke auch, daß damit Bands, die weniger Macht haben, im Sinne von industrieller Macht, auf die gleiche Ebene gehoben werden, so daß sich ein gerechteres Bild ergibt. Ich bevorzuge es, auf dieser Ebene zu sein.

- Alles was wir wollen, ist Menschen zu erreichen. Wenn wir das durch das Internet und durch unseren eigenen a-ha-Kanal effektiver tun können, dann denke ich, daß es sich lohnt, die Sache weiter zu verfolgen.

Mein erster Gedanke, als ich von a-ha Network erfuhr, war: Wann sind a-ha korporativ geworden?

- Auf eine gewisse Weise sind wir erstaunlich korporativ gewesen, aber es war eine Gesellschaft von Nein-Sagern. Es war so, daß du eine Idee hattest, und die anderen beiden in der Band sagten: "Hmmm, nein." Es erfordert verdammt viel, Ideen in dieser Band zu verwirklichen. Und ich bin in dieser Phase meines Lebens, und ich weiß, daß Morten und Paul das auch sind, wo wir anfangen, nachzudenken. "Scheiße, wir werden nicht Millionen Chancen bekommen, wenn wir nur alles abwarten, und wenn ich etwas machen will, dann tue ich es einfach. Wenn ich ein Video für die Website machen will, dann tue ich das einfach, und wenn es dir nicht gefällt, naja, dann bezahle ich es halt, das macht mir nichts aus."

- Du fängst mit etwas an, was du wirklich liebst. So wie Richard Branson den Virgin Megastore ins Leben rief, weil er wußte, daß er etwas besser verkaufen konnte, oder er einfach so etwas wie eine Idee hatte... Du kommst an diesen Punkt, an dem du nur kreativ sein willst und Dinge tun willst. Darum haben wir a-ha Network gegründet, so daß sie die gesellschaftliche Seite übernehmen können. Sie können sich um die geschäftlichen Dinge kümmern, und wir können kreativ sein. Und was sie tun, basiert auf jeden Fall auf dem, was wir tun. Sie können nichts tun, solange wir nicht Musik, Filme oder Videos produzieren.

- Es ist das gleiche mit der Vermarktung. Es ist nicht so, daß Merchandising eine Leidenschaft von mir ist, oder daß ich jetzt gieriger bin als vor zehn Jahren. Tatsächlich muß ich es eigentlich gar nicht tun. Aber ich werde einfach ziemlich sauer, wenn ich feststelle, daß wir Schrott als Merchandise-Artikel haben. Und das hatten wir immer! Ich möchte, daß es cool ist, ich möchte, daß es etwas ist, das ich auch anziehen würde, ich möchte, daß es etwas ist, das ich anschauen würde! Und so, ja, machte ich das Design, teilweise weil ich gerne designe und teilweise, weil ich einfach sicherstellen will, daß es nicht peinlich schlecht ist. So einfach ist das. Und wenn die Leute denken, daß das eine korporative Einstellung ist, naja, was immer nötig ist, um die Dinge richtig zu machen, weißt du!

Wenn ich dich so reden höre, dann klingt es so, als ob ihr Jungs plant, noch eine lange Zeit weiterzumachen.

- Das hängt vielleicht davon ab, wen du fragst und wann du ihn fragst", lächelt Magne. "Aber ich bin zu dem Schluß gekommen, daß, wenn wir es wirklich zum Funktionieren bringen können, wenn Platz für jeden ist - für Paul mit Savoy, für Morten und sein Soloprojekt, für mich und meine Ausstellungen und die Fortführung meines Gedankenganges und meiner Arbeitsweise - dann gibt es keinen Grund, warum wir für a-ha ein Enddatum setzen sollten.

- Und sogar durch diese Network-Geschichte, wenn wir anfangen, Dinge zu promoten, die wir mögen, wenn wir anfangen, andere Platten für andere Künstler zu produzieren, ist das für mich wie... du möchtest etwas hinterlassen, das ohne dich weiterleben kann. Und das kann a-ha Network sein, es kann a-ha weiterleben lassen, selbst wenn wir andere Dinge tun.

- Es ist wie wenn du Kinder in diese Welt setzt. Du weißt, daß es nach deiner Zeit weiter gehen wird, und das ist ein gutes Gefühl, wenn du sie auf die richtige Weise erziehst. Wenn sie zu Arschlöchern werden, fühlst du dich selbst für den Rest deines Lebens wie ein Stück Scheiße, aber wenn du es gut machst, gibt es dir ein gutes Gefühl und gibt den Dingen eine schöne Perspektive.

Gibt es eine Gefahr eines Interessenkonfliktes zwischen a-ha und den Ausdrucksformen, die ihr als Individuen sucht?

- Ich denke, daß es ziemlich naiv ist zu glauben, daß wir Dinge tun können, die mit a-ha in Konflikt stehen, ohne zu fragen, ohne den anderen zu sagen, was wir vorhaben, oder ohne das mit allen Beteiligten zu besprechen. Flexibilität ist eine schwierige Sache. Es wäre völlig grotesk, wenn ich in jeder Stadt, in der wir sind, Ausstellungen halten würde und die Fans zu diesen Veranstaltungen einladen würde. Ich würde sicher eine Menge Bilder verkaufen, aber für mich als Person würde ich das nicht tun.

- Nachdem ich das gesagt habe, das bedeutet nicht, daß es für Paul falsch ist, den a-ha-Impuls für Savoy zu nutzen. Ich denke, es ist nur recht und billig, daß er es tut! Es liegt so nah bei dem, was er tut, und bei Morten ist es das gleiche. Aber ich denke, daß es zum richtigen Zeitpunkt kommen muß. Für uns alle bedeutet die Mitgliedschaft in dieser Band, daß wir Opfer bringen müssen. Also, wenn wir offen bleiben können und es zum funktionieren bringen können, dann werden a-ha weiterbestehen.

Wie denkst du über das Image, das jeder von euch hat?

- Die Leute haben eine Tendenz, andere mit Stereotypen zu belegen. Ich weiß nicht, was sie heute über mich denken, aber ich war immer der 'Joker' bei a-ha. Was für eine tolle Sache das ist, seufzt er.

- Ich habe vielleicht meinen Anteil an Skateboarden geleistet - tatsächlich bin ich einmal mit einem Skateboard auf die Bühne gegangen - aber leider, das war so ziemlich bei dem ersten Konzert in a-has Karriere überhaupt, und das ist nicht gerade der Zeitpunkt, an dem du über dein Image nachdenkst. Immer dieses Schubladendenken... Ich kann die Dinge akzeptieren, aber ich kann nicht akzeptieren, daß, was ich in den 80ern tat, als weniger wichtig angesehen wird für die Geschichte von a-ha. Es ist nicht so, daß Paul der Songschreiber war und ich der Clown, und wir daneben nichts anderes waren.

- Natürlich ist ein Funken Wahrheit in dem allen. Ich bin vielleicht eher eine geistig gierige Person, die gerne in alle möglichen Richtungen geht. Paul ist sehr konzentriert und Morten ist, naja, Morten", lacht Magne. "Und der Punkt ist, daß ich nicht versuche, irgendetwas davon zu leugnen. Aber ich bin zu dem Schluß gekommen, daß alles, was eine Rolle spielt, die Arbeit ist. Und du mußt dein Bestes geben und die besten Bedingungen schaffen, damit du funktionierst.

Haben sich diese Bedingungen geändert, innerhalb von a-ha?

- Paul und ich haben früher viel mehr zusammen geschrieben. Ich schrieb keine Texte, ich schrieb nur zwei oder drei Zeilen, und dann konnte ich es nicht zu Ende bringen. Und der Fehler war, daß ich darauf schaute, was Paul tat und seine Arbeitsweise ausprobierte. Als ich schließlich aus a-ha draußen war, begann ich, meine eigene Methode zu finden. Texte zu schreiben ist nicht unbedingt die einfachste Form, um mich auszudrücken, aber heute habe ich Songs herumliegen, zu denen ich die Lyrics vervollständigt habe, und das war vorher nicht der Fall.

- Das bedeutet auch, daß ich nicht mehr so viel Zusammenarbeit brauche. Ich arbeite gerne mit jemandem zusammen, ich denke, daß die Zusammenarbeit mit anderen Menschen großartige Dinge hervorbringt. Ich schrieb "Little Black Heart" direkt nach dem Ende der Trennung der Band, und es fehlte ein Mittelteil, und dann kam Paul herein und schrieb dieses Stück, das wir in die Mitte setzten. Und für mich erschafft das einen vollständigen und wirklich guten Song, mit vielen verschiedenen Gefühlen darin.

- Es war mehr oder weniger das gleiche mit 'Minor Earth, Major Sky'. Strophen und Überleitungen, und dann rumms, der Refrain. Zwei verschiedene Teile, zwei verschiedene Texter. Für mich ist es ein tolles Gefühl, auf diese Weise mit jemandem zusammenzuarbeiten. Es macht mir wirklich Spaß, doch Paul hat sich weiterbewegt zu gemeinschaftlicher Arbeit mit Lauren, und Morten arbeitet mit Håvard [Rem] und anderen Leuten zusammen, und so bin ich so ziemlich mir selbst überlassen. Was kein Problem ist, aber es ist anders, als es früher war.

Du hast einmal gesagt, daß bildende Kunst und Musik nicht so unterschiedlich sind. Wenn du 'Minor Earth, Major Sky' malen solltest, wie würde es aussehen?

- Darüber habe ich noch nie nachgedacht...", grübelt Magne über der Frage. "Es ist gewissermaßen schon sein eigenes Bild, so wie es ist. Ein Klang-Gemälde. Ideen fliegen dir zu, entweder in der Form von Worten, oder in der Form von Klängen, oder in der Form von visuellen Eindrücken. Und um das Textproblem herauszunehmen: Ich denke, daß sowohl Musik als auch Bilder eine Art Universalsprache sind. Beide stellen eine Kommunikation ohne Worte dar, die Fähigkeit, Sprachbarrieren zu überwinden. Es scheint keinen Bedarf zu geben, die eine Form der Kommunikation in die andere zu überführen.

- Allerdings, es ist schon wahr, ich habe experimentiert. Ich habe versucht, Jazz-Platten von Chet Baker zu malen [die 'Everything happens to me'-Reihe - Sabine Clement] und ich habe versucht, Klänge in Kunstwerke umzusetzen, bei Elektra Sonus und auch bei einem Projekt für meinen Freund, Kjell Nupen, der ein ziemlich etablierter Maler in Norwegen ist. Wir unterhielten uns darüber, einige Klänge für eine seiner Ausstellungen zu kreieren, Klänge, die die Atmosphäre der Ausstellung unterstreichen würden. Aber es ist nicht so, daß du automatisch eine Kunstform in die andere verwandeln kannst.

- Für mich ist der Titel 'Minor Earth, Major Sky' selbst so ein Bild... Und ich hatte nach diesem Bild gesucht. Ich hatte alle möglichen Worte auf ein Stück Papier gekritzelt, fast wie ein Spiel. Und sie gepaart, wie gering/bedeutend, Erde/Himmel, schwarz/weiß... All diese Worte, die entgegengesetzte Bedeutung haben. Und das ungewöhnlichste Paar davon, das das ungewöhnlichste Bild in meinen Gedanken hervorrief, war 'Minor Earth, Major Sky'. Es war in der Tat Paul, der sagte: "Oh Mist, das ist ein Albumtitel." Jetzt, wo ich darüber nachdenke, weiß ich nicht, ob er meinte: "Mist, Magne hat den Titel gefunden, der ***", lacht er. Aber das ist, wonach du suchst, du versuchst, zu einer Art ungewöhnlicher Bildersprache zu kommen, ob es nun Klänge oder Worte sind.

Du hast nun mehrere Jahre mit bildender Kunst und Musik gearbeitet. Denkst du, daß a-ha dasselbe tun könnten?

- Ja! Ich habe schon ein wirklich originelles und cooles Programm in meinem Kopf. Ich denke, das wird für die nächste Tour sein. So etwas wie die Kunstwerke und die Musik auf eine direkte Weise zu fusionieren, nicht so designt, sondern mehr wie ein eigenständiges Werk. Und ich bin mir sicher, daß a-ha das tun können. Sowohl Paul als auch Morten haben einen starken visuellen Sinn. Also könnten wir es sicher tun. Nur, das Hauptproblem dabei ist, wenn man irgendetwas tun will, das außerhalb der Regeln liegt, daß alle zustimmen müssen. Und in der Band ist das so ziemlich das Schwierigste, was es zu erreichen gibt.

- Um ehrlich zu sein, einer der Gründe, warum wir nicht erfolgreicher waren - auch wenn ich mich nicht beklagen will - aber ich denke, wir hätten ein ganzes Stück weiter kommen können, wenn wir jeder Idee etwas Zeit zum Atmen gegeben hätten, bevor wir ihr unseren eigenen Stempel aufdrückten. Jemand kommt mit einer Idee und die anderen lehnen sie sofort ab. Das ist so die übliche Dynamik in der Band, du unterdrückst alles ein wenig. Und wenn es nicht stark genug ist, um Argumente und großen Druck zu überleben, dann wird es zu einer Art persönlichem Ding. Denn wenn du wirklich unsicher über die Idee bist, dann wirst du es nicht diesen Bedingungen aussetzen - auch wenn es eine großartige Idee ist. Und ich rede hier nicht nur von mir, ich rede von uns allen dreien. Ich bin ein genauso großer Sünder wie jeder andere. Aber das ist unser wirkliches Problem. Wir sind nicht immer gut darin, Dinge zu kultivieren, die anders sind als früher. Und ich denke, das ist etwas, was sich jetzt ändert. Wir ändern uns. Wir müssen.

Published Tuesday, January 02, 2001 9:13 PM by Catherine

Share This


Filed Under: , ,
Anonymous comments are disabled

This Blog

Post Calendar

<January 2001>
SuMoTuWeThFrSa
31123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031123
45678910

Syndication